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BURNOUT-Gefährdete fühlen sich immer öfter: - gehetzt, gereizt, verletzt, misstrauisch - missverstanden, überarbeitet, gemobbt - ausgepowert, unerholt, fremdbestimmt - ängstlich, antriebslos, depressiv, suizidal - unentschlossen, gedankenkreisend, denkblockiert - affektlabil, überreagierend, aggressiv - selbstentwertet, fremdentwertend, zynisch - leer, beschämt, zurückgesetzt, beziehungslos - verloren, übersehen, ungeliebt, einsam... Manche beklagen mangelnde Anerkennung für ihr Engagement
und ihre Leistung, andere neigen dazu, Probleme anderen besserwisserisch zuzuschreiben, zeigen sich gefangen in ihren sozialisierten Weltvorstellungen, demonstrieren rigide und beratungsresistente Verhaltensweisen im Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten, Familie und Ärzten, verspüren zunehmend eine beängstigende Antriebs-, Konzentrations- und Leistungsschwäche. Gehen wenig selbstachtsam mit ihren Gefühlen, Beschwerden und Unzulänglichkeiten um. Fordern vergebens Respekt und Wertschätzung von Ihren Nächsten und verweigern sie selbigen. Das Erleben von beruflicher Insuffizienz und körperlichen Einschränkungen behindert die zuvor gewohnte
Erfahrung von motivierender Selbstverwirklichung, stabiler Selbstwirksamkeit, wechselseitiger Bezogenheit und anerkannter Kompetenz. Dem folgen missglückte Lösungsversuche erster Ordnung mit Verdrängen, Verleugnen, Arrangieren, Überanpassen, die untherapiert in die körperlichen Erkrankungen führen. Werden die Drucksymptome vom unerfahrenen Arzt nur somatisch gedeutet und unterdrückend mit Beruhigungs-, Schlaf-, Schmerzmitteln und Blutdrucksenkern behandelt, droht der körperliche und seelische Zusammenbruch. Der Mensch brennt aus und mit ihm seine vertraute Welt.
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Viele haben schon davon gehört, einige kennen sogar Leute, bei denen es diagnostiziert wurde oder fühlen sich gar selbst betroffen – die Rede ist vom Burnout-Syndrom. Wachsende Belastung, steigender Leistungsdruck und die Angst zu versagen bringen viele Menschen an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Doch was ist eigentlich Burnout? Wie erkennt man Anzeichen und Warnhinweise? Und: was kann dagegen getan werden? Die Bezeichnung leitet sich von dem englischen Verb „(to) burn out“ ab und bedeutet „ausbrennen“. Die Medizin versteht also unter dem Burnout-Syndrom einen tief greifenden psycho-physischen Erschöpfungszustand, der meist Folge einer andauernden Belastung ist. Wie diese Definition nahe legt, handelt es sich also nicht nur um körperliche (physische), sondern auch um geistige (psychische) Symptome – also Störungen, die den Körper, den Geist und schließlich auch die Seele angreifen und somit den gesamten Menschen mit seiner Persönlichkeit angreifen. Burnout ist mehr als nur ein Überlastungssyndrom aufgrund kurzfristiger Überbelastung – im Gegenteil: es handelt sich hierbei um einen schleichenden Prozess, der nicht in einer kurzfristigen (und schnell zu „reparierenden“) Krankheit endet. Vielmehr bedeutet es eine dauerhafte Störung, die intensiver Behandlung bedarf. Betroffen sind in erster Linie Menschen mit hoher sozialer und ethischer Verantwortung, wie z.B. Lehrer oder Ärzte, also Menschen, die für andere da sind, ihnen helfen und viel von sich und ihrer Persönlichkeit mit in den Beruf einbringen. Aber auch nahezu jede andere Berufsgruppe und sogar Schüler können mittlerweile daran erkranken. (Ob die Menschen den Belastungen unseres Alltags nicht mehr gewachsen sind oder die Krankheit zu schnell und leichtfertig diagnostiziert wird, sei dahingestellt.) Doch wie erkenne ich schon erste Anzeichen eines drohenden Burnout-Syndroms? Einer der wichtigsten Warnhinweise ist: Betroffene empfinden kaum noch Lebensfreude. Erste Signale des Körpers sind u.a. Erschöpfung und der Verlust von Gefühlen. Der emotionale Zustand verändert sich: von empfindsam (hoher persönlicher Einsatz
zum Erreichen gewohnter Leistungen, Verdrängung chron. Müdigkeit, Missachtung negativer Gefühle) hin zum empfindungslos (Gleichgültigkeit, Desorientierung, Schuldzuschreibung an die Umwelt). Erschöpfung und andauernde Kraftlosigkeit sind ebenso erste Anzeichen. Betroffene werden missmutig, können nicht mehr richtig durchschlafen (daher auch chronische Müdigkeit) und sind schlicht und ergreifend dauerhaft erschöpft (körperlich und geistig). Einige tendieren sogar zu süchtigen Kompensationsversuchen. Der Mensch funktioniert nur noch, wirkt gar entseelt. Aus Scham versuchen Burnout-Betroffene ihre Situation und Überforderung zu verbergen und brechen in Tränen aus, wenn sie von zuviel Verantwortung oder ihren Schuldgefühlen berichten. Die permanente Überlastung und das damit verbundene Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit kann zu Depressionen, Ängsten und Sinnkrisen oder auch chronischen Schmerzen bis hin zu Bewegungseinschränkungen führen – alles ernst zu nehmende Warnsignale des Körpers! Da die Arbeit einen übergroßen Stellenwert einnimmt, leidet Privates – wie Familie, Freunde, Hobbies. Aus Selbstschutz will der Burnout-Geschädigte keine fremde Hilfe annehmen. Eher verbiegt er sich und wird so seinen Mitmenschen fremd. Eine Wesensänderung, gar eine Persönlichkeitsstörung folgt: Zynismus, Rechthaberei, Autoritätsgebaren oder auch Eigenbrödlerei können folgen. Das eigene Selbstverständnis wirkt verunsichert, Betroffene zweifeln an sich. Es kommt zu Störungen der emotionalen Kompetenz – also der Wahrnehmung von Gefühlen, sowohl bei sich selbst als auch bei anderen (Einfühlungsvermögen, auf andere eingehen etc.) Innerhalb von Gruppenprozessen (Konferenz u.ä.) wirkt der Burnout-Geschädigte u.a. unscheinbar und zurückhalten; er wehrt sich kaum gegen weitere Überforderung. Er bringt sich nicht mehr in Diskussionen ein, legt seine Ansichten und Wünsche nicht dar und scheut Auseinandersetzungen. Dies führt natürlich nicht zu einer Verbesserung des Zustandes. Neben all diesen Auffälligkeiten und Veränderungen des Wesens von Burnout-Patienten, ist der Zustand natürlich auch medizinisch nachweisbar. Beim Burnout-Syndrom handelt es sich um eine Störung des Hormonsystems. Die in Stresszuständen herrschenden Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol
beeinflussen den Körper und versetzen ihn in Alarmbereitschaft: der Blutdruck sowie Herz- und Pulsfrequenz steigen, Kreislauf und Atmung beschleunigen sich. Das ist bei jedem Menschen so. Kritisch wird es, wenn dieser Stresszustand zu oft und zu schnell erreicht wird oder gar dauerhaft anhält – wie bei Burnout-Patienten. Hier kann es bei lang anhaltender Hormonstörung zum Abfall der Sexualhormone kommen, was schließlich zu einer gestörten Libido oder auch zur Abnahme der Zeugungs- und Empfängnisfähigkeit führen kann. Zudem kann ein dauerhafter Stresszustand zu Gedächtnisstörungen führen – die sogar radiologisch nachweisbar sind! Aufgrund der enormen Auswirkungen auf den Organismus ist es extrem wichtig, das Burnout-Syndrom ausreichend lange zu behandeln – und nicht etwa nur symptomatisch mit Schlafmitteln, Antidepressiva usw. zu bekämpfen. Eine Therapie erfordert eine psychosomatische, psychotherapeutische und kommunikationsfördernde Behandlung. Stressentlastung allein ist nicht genügend. Die Erstuntersuchung sollte dabei wenigstens 60 Minuten dauern, um ein ausreichend umfangreiches Krankheitsbild mit entsprechender Vorgeschichte zu erstellen. Es ist wichtig alle Ursachen des Burnout-Syndroms zu erfassen und zu behandeln. Der psychosoziale und psychosomatische Zusammenhang muss analysiert werden, um so die biologische, physische und schließlich soziale Bedingtheit zu erfassen. Die Therapie soll so auch zu einer Korrektur der Balance zwischen Anspannung und Entspannung führen, sowie die emotionalen Ressourcen stärken (Familie, Freunde), aber auch dem Betroffenen helfen, sich gegen Überforderung abgrenzen zu können. Er soll in die Lage versetzt werden, ein besseres Konfliktmanagement erlernen, betreiben und durchsetzen zu können (auch mal „Nein“ sagen). Unter Umständen sind krankheitsbedingte Auszeiten nötig, um die physischen und psychischen Schäden zu bekämpfen und den Körper wieder „auf Vordermann“ zu bringen. Wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist, wird sogar eine multimodale klinische Behandlung empfohlen. Hierbei sollen vorangeschrittene Persönlichkeitsänderungen erfasst und korrigiert werden, so dass der Betroffene Wege aus seiner Selbstwertstörung findet. Auch im Nachhinein empfiehlt sich eine therapeutische Weiterbetreuung, Vertiefen zeitnaher Belohnungssysteme (Sport, Spiel, Spannung), lösungsorientiertes, selbstreflektierendes Kommunikationstrainung und Supervision, um die innere Haltung des Betroffenen stetig zu erfassen und ihm zu helfen, seine alten streßaktivierenden Verhaltensmuster dauerhaft zu korrigieren. Artikel: Jana Walter
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Unser Gesundheitssystem und unsere Marktwirtschaft kränkeln – und mit ihnen auch immer mehr Ärzte. Mittlerweile leidet mindestens jeder 5. Arzt am Burnout Syndrom. Darunter wird ein seelischer und körperlicher Erschöpfungszustand verstanden, der mit dem Verlust der eigenen Persönlichkeitswahrnehmung (Depersonalisation) und dem Gefühl, nicht leistungsfähig genug zu sein, einhergeht. Die Einstellung zum Beruf wird negativ, Effizienz und Arbeitsleistung lassen nach, der Umgang mit Patienten und Kollegen wird distanziert bis zynisch, Schuld haben andere, die Unlust an der Arbeit steigt, Unzufriedenheit, Erlebnisverarmung und Verengung der psychosozialen Kontakte unterhalten die Erschöpfungsmuster. Im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung sind Ärzte laut der Zeitschrift MMW * mit ihrem Leben unzufriedener. Sie bewerten vor allem die Bereiche Familienleben und Kinder, Einkommen und finanzielle Sicherheit,
sowie Freizeitgestaltung und Hobbys als nicht zufrieden stellend. Neben fehlender Anerkennung für berufliche Leistungen, werden auch die schwierigen Weiterbildungsmöglichkeiten bemängelt. Mentoring und Beratung durch Vorgesetzte sind selten und oftmals schlecht. Für die die Eigenmotivation zu selbstorganisiertem, lösungsorientiertem Handeln wie Selbsterfahrungsgruppen, Balintarbeit oder Supervision fehlt es häufig an ärztlichen Vorbildern. Das macht es vor allem Berufseinsteigern schwer, sich zurecht zu finden. Viele Jungärzte fühlen sich durch unzureichende praktische Vorbereitung und Anleitung überfordert. Hinzu kommen widrige Arbeitsplatzbedingungen (zu wenig Personal), hohe Arbeitszeit (bis zu 80 h / Woche) und schlechte Bezahlung. Das Ungleichgewicht zwischen Einsatz und Belohnung produziert Stress und schließlich das Burnout Syndrom. Das Ausweichen in andere (alternative) Berufsfelder oder ins Ausland ist oft die Folge. Wer sich trotzdem durch den Arztalltag boxt,
läuft Gefahr sich dauerhaft zu überlasten. Depressionen, Selbstmedikation und Alkoholabhängigkeit können folgen. Laut Statistik liegt die Zahl der Ärzte, die an Abhängigkeitserkrankungen (Medikamente, Alkohol…) leiden, bei bis zu 15 %. Selbstmordgedanken bzw. –versuche hätten laut einer Umfrage** mehr als 2 % der Befragten schon einmal gehabt. Bei Alkohol liegen die Werte sogar noch höher – bei rund 13 %, so die MMW. Zahlen, die erschrecken und zum Nachdenken und Gegenlenken anregen sollten. Mehr Selbstbestimmtheit im Arztberuf, mehr Anerkennung für die geleistete Arbeit, strukturierte Weiterbildungsmöglichkeiten, klare sinnbezogene, persönliche und berufliche Planung sowie Laufbahnberatung durch Vorgesetzte sind nur einige realisierbare Punkte.
* Zeitschrift MMW – Fortschritte in der Medizin“ Nr. 23 / 2008, 150. Jg. **Psychiatriekongress 2006 in Berlin und Intensivmedizinerkongress 2006 in Hamburg Artikel: Jana Walter
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Unzufrieden, lustlos, überfordert, depressiv bis aggressiv, misstrauisch, fatalistisch, innerlich entleert, fehlende Sinnhaftigkeit, konfliktvermeidend, unmotiviert, fremdbestimmt sind auch bei Ärzten Warnzeichen einer ausgebrannten Lebenssituation. Wer dann noch zum 'Haxenbeisser' mutiert, sprich zynisch wird, belastet nicht nur sein Arbeitsumfeld, sondern auch seine Beziehung und damit letztlich die zu sich selbst.
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